LIFT „Der Admiral“, Vinyl-EP
 
Auf meinem Plattenteller dreht sich ein Kleinod, die neue EP von LIFT. Ursprünglich als Vinyl-Single mit zwei Stücken angedacht, ist daraus eine Vinyl-Maxi-Single geworden, auf die letztlich vier neue Kompositionen gelangt sind. Das ist international durchaus üblich. Meist werden darauf verschiedene Mix-Varianten eines einzigen Songs angeboten. Bei dieser Vinyl-EP aber bekommt der Hörer vier neue Stücke zu hören, drei davon instrumental sowie das Lied „Der Admiral“.
Das kurze Stück „Impro eins“ kann man als Einladung verstehen, sich auf die kommenden Minuten mit neuer LIFT-Musik einzulassen. Ein filigran ausgestalteter Melodiebogen, gespielt am Klavier, macht auf die kommenden drei Stücke neugierig. Diese kleine Improvisation kommt noch leichtfüßig daher, doch schon beim „Ausbruch“ steigt ANDRÈ JOLIG voll in die Tasten und zaubert im vollen Sound, der mich sehr an frühere Zeiten erinnert. Damals spielte LIFT in Konzerten gern auch neben ihren Balladen, die überlangen Instrumentalwerke, zum Beispiel aus den „Six Wives“ von Rick Wakeman. Der „Aufbruch“ ist von wuchtigen Orgel-Akkorden geprägt, die durch jeweils ein dezentes melodisches Intermezzo verbunden sind. Rhythmische Passagen wechseln mit eher ruhigen, so wie es der Liebhaber auch vom „Vincent van Gogh“ oder der „Tagesreise“ kennt. Man fühlt sich emotional mitgenommen, man kann in Erinnerungen schwelgen und der Hörer erlebt Neues, das er für sich entdecken kann. LIFT klassisch neben neuen Inspirationen, das ist eindrucksvoll gemacht!
Die andere Seite von LIFT erlebt man mit „Der Admiral“, eine wunderschöne emotionale Ballade. Die Stimme von Werther Lohse interpretiert eine facettenreich ausgearbeitete Melodie, die sich langsam zu steigern vermag und in einem starken Chorus seinen Höhepunkt findet. Das alles ist lyrisch in ein Gleichnis vom Leben und Sehnen eines Schmetterlings verpackt. Auch das ist LIFT, so wie man deren Lyrik kennt, nur eben im Heute unter anderen Bedingungen. Eine gelungene Komposition von ANDRÈ JOLIG, der hier auch sein Können als studierender Kirchenmusiker entfalten kann, ohne dieses Kleinod musikalisch zu überfrachten sowie einem bildhaften Text vom Autorenpaar HOFFMANN.
Ruhig klingt die EP mit „Impro zwei“ aus, das gedanklich und im Sound einen Spannungsbogen über die ganze Platte mit vier Stücken baut. So wird das Klangerlebnis von einer knappen Viertelstunde rund und entlässt einen zufriedenen Hörer, der zudem mit neuen Ansätzen konfrontiert wird.
LIFT lebt, wie ich erst kürzlich live in Halle miterleben konnte und die Musik, die neuen Kompositionen inbegriffen, sowieso. Die Begeisterung war groß und die EP ging weg wie warme Semmeln. Meine hat zwei Unterschriften bekommen. Sicher ist in Zeiten wie diesen einiges ganz anders. Das spüren viele Bands, die sich darauf einstellen oder neu erfinden müssen. Corona lässt normales Arbeiten in kaum einem Sektor zu und auch LIFT-Ur-Mitglied Werther Lohse musste sich auf diese Bedingen einstellen. Dennoch haben er und Andrè Jolig mit diesem Vinyl die Geschichte der Band um ein weiteres feines Puzzleteil ergänzt, das hoffen lässt. Was mancher vielleicht vermisst, ist die Form als CD, aber dafür kann man die Songs im Internet digital erwerben. Diesmal gebührt dem Vinyl der Vorrang, was den Sammler erfreut, zumal das Ganze eine schicke Verpackung erhalten hat. Volle Punktzahl, meint der Liebhaber.
 
Hartmut Helms
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